Rund 60 Prozent der Krebspatienten leiden unter Schlafstörungen, die in ihrer Art unterschiedlich sein können, jedoch dazu führen, dass sich Betroffene tagsüber müde, antriebslos und unkonzentriert fühlen. Einschlafstörungen, längere Wachphasen und vorzeitiges Erwachen bezeichnet man als Insomnie-Syndrom. Dies ist definiert als  innerhalb einer Woche mehr als dreimal auf und länger als einen Monat andauernde Schlafstörung.

Was sind die Ursachen für Schlafstörungen?

Die Ursachen sind individuell sehr verschieden. Es gibt eine Reihe körperlicher Komponenten, die für einen gestörten Schlaf verantwortlich sein können. Bei zwei Dritteln der Patienten führen Schnarchen oder Atemstörungen zur Unterbrechung des Schlafes. Auch Schmerzen, hormonelle Störungen, Chemotherapeutika oder Bluthochdruck können die Qualität des Schlafes negativ beeinflussen.
Des Weiteren klagen viele Krebspatienten über das sogenannte Fatique-Syndrom. Hierbei handelt es sich um eine extreme Ausprägung von Müdigkeit und Erschöpfungszuständen während des Tages trotz ausreichenden Schlafes.
Eine weitere Nebenwirkung innerhalb einer onkologischen Behandlung ist das Restless-Legs-Syndrom. Das unkontrollierte Bewegungsbedürfnis der Beine beim Einschlafen und während der Nacht führt dazu, dass der Schlaf erheblich gestört wird.
Nicht außer Acht zu lassen bei der Ursachenforschung ist die oftmals enorme psychische Belastung, die mit der Diagnose „Krebs“ einhergeht. Ängste um die eigene Zukunft und der der Familie, finanzielle Sorgen, Existenzängste bis hin zu Depressionen können zu nächtlichen Grübeleien und damit einhergehenden Schlafstörungen führen.

Obwohl ein gesunder Schlaf entscheidend für das Wohlbefinden, die Lebensqualität und die Genesung ist, wird einer Beeinträchtigung nicht immer die nötige Aufmerksamkeit von ärztlicher Seite beigemessen und eine Behandlung nicht in Erwägung gezogen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Zunächst ist es wichtig, sich der Störung bewusst zu stellen und ein Gespräch mit dem zu behandelnden Arzt zu suchen, um den spezifischen Ursachen auf den Grund zu gehen. Unbehandelt kann eine Schlafstörung einen chronischen Verlauf nehmen, da das Gehirn diese Veränderung als neues Verhalten abspeichert. Diesen Kreislauf zu unterbrechen hat in der Behandlung höchste Priorität. Nur so kann eine auf den Patienten abgestimmte Maßnahme ergriffen werden. Behindern psychische und soziale Ursachen den Schlaf, ist eine psychoonkologische Therapie hilfreich. Erst wenn diese Behandlung nicht den gewünschten Erfolg zeigt, kann eine medikamentöse Therapie in Betracht gezogen werden. Medikamente zur Unterstützung des Schlafes sind rezeptpflichtig und dürfen nur kurzzeitig eingenommen werden, um eine Abhängigkeit zu vermeiden. Auch müssen mögliche Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten sorgfältig abgeklärt werden.
Laut Studien im „Journal of Clinical Sleep Medicine“1 konnte mit Lichttherapie positiv auf das Schlafverhalten Einfluss genommen werden. Dabei setzt sich der Patient jeden Morgen für 30 Minuten vor eine Lichtbox. Das Licht regt die Rezeptoren der Retina an, die Impulse werden weitergeleitet, so dass die zirkadiane Rhythmik  beeinflusst wird. Im Laufe der Behandlung verbesserte sich die Schlaflänge und -qualität der teilnehmenden Patienten.
Des Weiteren können Schlafstörungen durch eine achtwöchige Behandlung mit Akupunktur oder kognitiver Verhaltenstherapie für einen Zeitraum von bis zu 20 Wochen beseitigt oder minimiert werden. Dies zeigte eine Studie mit 160 Patienten, die von Dr. Jun J. Mao, Leiter des Integrative Medicine Service, Memorial Sloan Kettering Cancer Center, New York2 und wurde bei einer Vorab-Pressekonferenz zur ASCO-Jahrestagung 2018 vorgestellt. Die Studie bewies, dass durch die beiden Behandlungsansätze mittelschwere bis schwere Schlafstörungen deutlich verbessert wurden. Während bei den Akupunkturteilnehmern verschiedene Punkte, die Schlaf, Schmerzen und Psyche beeinflussen, mit Nadeln behandelt wurden, erarbeiteten die anderen Teilnehmer in der kognitiven Verhaltenstherapie unterschiedliche Strategien für eine gesunde Schlafhygiene. Dazu gehörten beispielsweise die Reduzierung der Verweildauer im Bett sowie die Vermeidung später Mahlzeiten oder die Nutzung von Handy, Tablet oder PC vor dem Schlafen. Auch Entspannungstraining stand auf dem Programm.
Fazit: Beide Behandlungsansätze erwiesen sich als wirkungsvoll. Bei Patienten mit einer leichten Schlafstörung schnitt die Akupunktur etwas besser ab. Bei starken Schlafstörungen gab es kaum  Unterschiede. Beide Therapien erhöhen die Schlaf – und somit die Lebensqualität und zeigen aufgrund ihrer längerfristigen Wirkung klare Vorteile gegenüber der medikamentösen Therapie.

Allgemeine Tipps / Schlafhygiene!

  • Die optimale Temperatur im Schlafzimmer sollte bei 18 Grad sein.
  • Der Raum sollte ruhig und dunkel sein. Lichteinfall, etwa durch Straßenlaternen oder durch Nachttischlämpchen, beeinträchtigt die Ausschüttung von Melatonin, dem sogenannten Schlafhormon.
  • Die Nutzung elektronischer Geräte wie Handy, Smartphone, Tablet, PC, Fernseher sind vor dem Schlafen zu meiden. Der Blaulichtanteil vermindert ebenfalls die Produktion des Schlafhormons.
  • Zigaretten, kohlenhydratreiche Mahlzeiten und Kaffee sollten einige Stunden vor dem Schlafen nicht mehr konsumiert werden.
  • Das Schlafzimmer sollte nur zum Schlafen genutzt werden.
  • Empfehlenswert ist eine Bett-Routine mit kleinen Ritualen wie Füße eincremen, lesen...
  • Ein kleiner Abendspaziergang an der frischen Luft hilft, Körper und Geist zu entspannen.
  • Ein warmer Tee aus Baldrian, Melisse oder Hopfen fördert die Entspannung.

 

 

1 - Shirani A, St Louis EK. Illuminating rationale and uses for light therapy. J Clin Sleep Med. 2009;5(2):155–163.

2 - Jun J. Mao, The effect of acupuncture versus cognitive behavior therapy on insomnia in cancer survivors: A randomized clinical trial. Journal of Clinical Oncology 2018 36:15_suppl, 10001-10001

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