Die Beobachtung ist alarmierend: Verschiedene Studien bestätigen, dass bei den unter 50-jährigen die Wahrscheinlichkeit, an Dick- und Enddarmkrebs zu erkranken, signifikant ansteigt. Während diese Entwicklung zunächst in den USA auffällig war, ist diese nun auch in Europa und anderen einkommensstarken Ländern nachweisbar. Auffällig ist eine deutliche Zunahme der Erkrankungen in der Altersgruppe der 20- bis 29-jährigen.

Was zeigen die Studien?

Eine der umfangsreichsten Studien zu diesem Thema führte ein Team europäischer Wissenschaftler um Prof. Dr. Manon Spaander von der Abteilung für Gastroenterologie am Erasmus University Medical Center im niederländischen Rotterdam durch. Hierbei wurden im Zeitraum von 1990 bis 2016 Daten von circa 140 Millionen Menschen aus 20 Ländern ausgewertet. Fast 190000 Menschen erkrankten in der Beobachtungsphase an Darmkrebs.

Besonders eindeutig sei, dass die Fallzahlen sich im Laufe der Studie immer weiter erhöhten. In der Gruppe der 20- bis 29-jährigen erhöhte sich die Zahl der neu Erkrankten zwischen 1990 und 2016 von 0,8 auf 2,3 pro 100.000 Personen. Den stärksten Anstieg der Erkrankungsrate wiesen die Forscher zwischen 2004 und 2016 mit durchschnittlich 7,9% pro Jahr nach. In der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen war der Anstieg mit jährlich 4,9% zwischen 2005 und 2016 etwas geringer. Bei den 40- bis 49-Jährigen sanken die Neuerkrankungsraten zwischen 1990 und 2004 zunächst um jährlich 0,8% und stiegen dann zwischen 2004 und 2016 wieder um jährlich 1,6%.

Die Zahl tödlich verlaufender Darmkrebs-Erkrankungen veränderte sich in der Gruppe der 20- bis 29-Jährigen in dem Untersuchungszeitraum nicht. Bei den 30- bis 39-Jährigen sank sie sogar um jährlich 1,1% und bei den 40- bis 49-Jährigen um 2,4%.

Was sind die Gründe für eine Erkrankung?

Die Ursachen für diese Entwicklung sind wissenschaftlich noch nicht eindeutig belegt. Man geht jedoch davon aus, dass Übergewicht, Bewegungsmangel sowie eine falsche Ernährungsweise die Entwicklung einer Darmkrebserkrankung begünstigen. Auch der Konsum von Alkohol und Rauchen stehen im Verdacht, einen negativen Einfluss zu haben. Unabhängig vom Alter spielen erbliche Faktoren eine erhebliche Rolle. Ist ein Verwandter ersten Grades, also Eltern, Geschwister, Kinder, an dieser Tumorart erkrankt, ist das eigene Risiko um das zwei- bis dreifache höher. Auch wer unter einer chronischen Darmentzündung leidet, gehört zur Risikogruppe. Diabetes Typ 2 kann das Darmkrebsrisiko verdreifachen, da der erhöhte Insulinspiegel das Zellwachstum der Krebszellen anregen kann.

Wie sinnvoll sind Vorsorgeuntersuchungen?

In Deutschland ist eine Vorsorgeuntersuchung mittels Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr bei Männern, ab dem 55. Lebensjahr bei Frauen aller zehn Jahre empfohlen. Alternativ kann vom 50. – 55. Lebensjahr eine Untersuchung des Stuhls auf okkultes Blut erfolgen. Danach geben die Leitlinien aber klar als Empfehlung die Darmspiegelung, bei deutlich höherer Sensitivität gegenüber des Stuhltestes, aus.  Die Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Wird die Krankheit in einem frühen Erkrankungsstadium erkannt, stehen die Heilungschancen bei über 90 %. Oftmals kann man auch den Darmkrebs durch die Entfernung von Polypen (Krebsvorstufen) bereits vorbeugen.

Sind Verwandte ersten Grades an Darmkrebs erkrankt, zahlen die Kassen eine Untersuchung auch vor dem 50. Lebensjahr.

Bei der Behandlung wird eine kleine Kamera in den Darm geführt. Der Vorgang ist schmerzfrei und dauert ungefähr 20 Minuten. Bei Wunsch kann eine Kurznarkose verabreicht werden.

Ein weiterer Grund für eine Darmspiegelung: Darmkrebs entwickelt sich in den meisten Fällen aus Darmpolypen, sogenannte gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut. Ein Prozess, der mehrere Jahre unbemerkt ablaufen kann. Bei einer Darmspiegelung können diese gleich prophylaktisch entfernt werden.

Obwohl die Zahlen der Neuerkrankungen bei unter 50-jährigen ansteigen, liegen sie dennoch in der Gesamtbetrachtung bei unter zehn Prozent. Die Mehrheit der Patienten erkrankt jenseits des 50. Lebensjahres. Somit ist aktuell nicht davon auszugehen, dass eine Absenkung des Screeningalters, wie in den USA , auf 45 Jahre erfolgt. Zum derzeitigen Stand führe dies nicht nur zu unnötigen Untersuchungen sondern auch zu erheblichen Mehrkosten, die nicht im Verhältnis zu den Risikozahlen stehen.

Allerdings ist es von Bedeutung, dass Hausärzte und Gastroenterologen über die zunehmenden  Erkrankungszahlen bei jüngeren Menschen informiert und alarmiert sind. So können erste Symptome besser gedeutet werden und weiterführende Untersuchungen zur Klärung des Befundes eingeleitet werden.

Die richtige Vorbeugung!

Ob aus einem Polypen eine bösartige Wucherung entsteht, ist oftmals von der Ernährung abhängig. Sehr fetthaltige und ballaststoffarme Lebensmittel liegen länger im Darm. Das hat zur Folge, dass krebserregende Stoffe intensiveren Kontakt zur Darmschleimhaut haben. Der häufige Verzehr von rotem Fleisch und oft verarbeiteten Wurstprodukten stehen derzeit im Verdacht, das Darmkrebsrisiko zu erhöhen. Empfehlenswert sind fünf Portionen frisches Obst und Gemüse am Tag. Außerdem sind fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, eingelegte rote Beete aber auch Produkte wie Kefir, Jogurt, Kombucha oder Miso von nicht zu unterschätzender Wichtigkeit. Die darin enthaltenen Milchsäurebakterien unterstützen nicht nur die Verdauung, sondern sorgen für eine gesunde Darmflora und stärken das Immunsystem. Um das Risiko einer Erkrankung weiter zu reduzieren, sollte Bewegungsmangel und Übergewicht vorgebeugt werden. Mindestens dreimal wöchentlich mindestens eine halbe Stunde intensiverer Sport, wie intensives spazieren, joggen, Rad fahren oder schwimmen mit Pulswerten deutlich über dem Ruhepuls sind empfehlenswert.

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