Nach der erfolgreich überstandenen operativen oder strahlentherapeutischen Therapie eines Prostatakarzinoms gestaltet sich die Rückkehr in einen normalen Alltag für viele Betroffene oft schwierig.

Ursache dafür ist ein Kontrollverlust der Blasenfunktion. Die Harninkontinenz tritt zunächst bei fast allen Patienten für zumindest bis zu drei Wochen nach der Operation aufgrund der Entfernung des Dauerkatheters auf. Längerfristige Schwierigkeiten entstehen, wenn durch den Eingriff die Beckenbodenmuskulatur, stabilisierende Bänder oder Nervenbahnen beschädigt wurden oder der Blasenhals jetzt nicht mehr von der Prostata unterstützt wird. Dies hat zur Folge, dass das aktive Schließen der Harnröhre durch eine Anspannung der Muskulatur nicht ausreichend funktioniert, so dass der Urin nicht gehalten werden kann. Oftmals handelt es sich auch um eine Belastungsinkontinenz. Hierbei geht Urin ab, ohne vorherigen Harndrang bei Druckerhöhung im Bauchraum. Dies ist beim Sport, Niesen, Husten oder Lachen häufig der Fall. Der Gebrauch von Vorlagen, Windeln oder Inkontinenzunterwäsche ist daher nötig.

Behandlung von Inkontinenz

Zur Behandlung der Inkontinenz nach einer radikalen Prostatektomie stehen eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung. Der Therapieansatz ist jedoch sehr individuell. Er richtet sich danach, welche Behandlung im Vorfeld stattfand, z.B. Umfang des operativen Eingriffes oder der Bestrahlung, aber auch nach der Schwere der Harninkontinenz.

Unerlässlich ist ein gezieltes Beckenbodentraining mithilfe eines erfahrenen Therapeuten. Dies sollte zumindest umtägig durchgeführt werden. Ebenfalls sind das Biofeedback-Verfahren sowie eine Elektro- oder Magnetfeldstimulation sinnvoll. Auch eine medikamentöse Stabilisierung der Blasenfunktion ist zusätzlich möglich. Da das Erlernen der Maßnahmen anfänglich sehr zeitintensiv ist, bieten sich oftmals  Anschlussheilbehandlungen für mindestens 3 Wochen in stationären oder teilstationären Rehabilitationseinrichtungen mit speziellen Fokus auf uroonkologische Reha.- Maßnahmen an.

Wie lange es dauert, bis eine deutliche Besserung des Zustandes eintritt, ist auch abhängig vom Umfang des operativen Eingriffes. Die Verbesserung der Operationsmöglichkeiten (z.B. nervenschonende OP-Verfahren) während der letzten Jahre führte dazu, dass heutzutage mehr als die Hälfte der Patienten nach einem Jahr wieder eine intakte Blasenfunktion haben.

Schlechtere Prognosen haben Männer in höherem Alter und / oder mit Vorerkrankungen wie Diabetes und Übergewicht. Tritt trotz konsequentem Trainings nach ein bis zwei Jahren keine Besserung ein, kann eine invasive Therapie möglicherweise Abhilfe schaffen. Dieser Fall kommt bei etwa zehn Prozent der Betroffenen in Betracht.

Störung der Erektionsfähigkeit

Eine weitere Folge nach einer Prostata OP kann der Verlust oder die Störung der Erektionsfähigkeit sein. Dies geschieht, wenn während des Eingriffes vegetative Nervenbahnen, die durch den Beckenboden zum Penis führen, beschädigt werden. Sei es durch den Tumor selbst oder als Folge der Operation. Zur erektilen Dysfunktion kann es auch bei Nerven schonender Operation kommen, wenn die Funktion der Nerven durch einen Druck auf oder einen Zug an den Gefäßnervenbündeln beeinträchtigt wird oder eine Durchblutungsstörung vorherrscht. Auch kann die Muskulatur des Schwellkörpers im Penis durch den Eingriff in Mitleidenschaft gezogen sein. Für Betroffene geht dies oft mit erheblichen Versagensängsten gegenüber sich selbst und der Partnerin einher. Geduld und Einfühlungsvermögen beider Partner sind nun mehr denn je gefragt.

Behandlung der erektilen Dysfunktion

Auch hier ist eine Frührehabilitation zeitnah nach der Operation empfehlenswert, um die Erektionsrate zu erhöhen. Konnten die Nervenbündel vollständig erhalten werden, können mehr als die Hälfte der Patienten nach einigen Monaten wieder eine Erektion haben. PDE-5-Hemmer oder Prostaglandin E1 können als medikamentöse Unterstützung gegeben werden. Auch Vakuumerektionshilfen sind möglich. Unter der Einnahme eines PDE-5-Hemmers berichteten 40 Prozent der Nerven schonenden operierten Patienten zum Rehabilitationsende – also nach drei bis sechs Wochen – über deutlich bessere Schwellungen des Penis' bis hin zu für Geschlechtsverkehr ausreichenden Erektionen. Oftmals müssen Betroffene und ihre Partnerin jedoch damit leben, dass die Steifheit des Penis' häufig nicht mehr wie früher sein wird. Wichtig ist, dass beide Partner lernen, damit umzugehen, dies nicht als Versagen interpretieren und für sich einen Weg finden, trotzdem  gemeinsam eine erfüllte Sexualität miteinander zu erleben. Manchmal kann auch ein Gespräch mit einem Dritten, wie dem behandelnden Arzt oder einem Psychologen, sinnvoll sein.

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