Musiktherapie in der Kinderonkologie

Musik ist nicht nur eine akustische Wahrnehmung, sondern beeinflusst unsere Emotionen und unsere Stimmung. Ein Lied kann Erinnerungen wecken, eine melancholische Atmosphäre hervorrufen oder für Ausgelassenheit und Freude sorgen.

Mittlerweile hat Musik auch in der Medizin einen Platz gefunden und kann ihre positive Wirkung entfalten. Im Klinikalltag, der viele Patienten verunsichert und mit oft unangenehmen Erfahrungen wie Operationen, Schmerzen, Unwohlsein und Ängsten einhergeht, kann eine musikbasierte Therapie das emotionale und psychische Wohlbefinden der Patienten verbessern. Sie hilft dabei, mit Schmerzen besser umzugehen und neue Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Neben der wohltuenden Wirkung auf die Psyche hat Musik Einfluss auf Blutdruck, Puls, Atmung und die Hormonausschüttung. Dies hat zur Folge, dass Patienten insgesamt dem Geschehen positiver gegenüber stehen und motivierter sind.

In der Kinderonkologie kann Musiktherapie für die kleinen Patienten ein Ventil sein, um einen Weg zu finden, sich mit ihrer Krankheit zu arrangieren. Gerade für jüngere Kinder sind die neue Situation, das Personal, die Behandlungen etwas Furcht einflößendes. Die Erfahrung, dass sie trotz der Krankheit schöne Dinge erleben können, sich klanglich ausdrücken und angenommen fühlen, hilft den Kindern aus der erlebten Isolation herauszukommen. Bei sehr kleinen Kindern, wo die Sprache noch nicht voll entwickelt ist, kann das gemeinsame Musizieren die kommunikativen Prozesse fördern. Singen, improvisieren, zuhören oder ein neues Instrument auszuprobieren sind nicht nur eine Abwechslung zum oft wochen- und monatelangen Aufenthalt in der Klinik. Musikbasierte Interventionen können die Ängste von Krebspatienten vor einer Chemotherapie und den behandlungsbedingten Nebenwirkungen wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit reduzieren. Auch Behandlungen wie anstrengende krankengymnastische Übungen können besser durchgeführt werden. Negative Gefühle, die während einer Krebstherapie oft verstärkt auftreten, können leichter überwunden werden und dazu beitragen, wieder schöne und angenehme Dinge wahrzunehmen. Musiktherapie kann Sicherheit und ein vertrautes Gefühl während des Krankenhausaufenthaltes herstellen. Angenehme und beruhigende Hörerlebnisse führen zu einer vegetativen Entspannung und reduzieren den angespannten Muskeltonus. So kann das Therapieangebot stressmindernd und entwicklungsfördernd wirken.

Doch ausgebildete Musiktherapeuten sind auf die Unterstützung und Kooperation der multidisziplinären Onkologieteams angewiesen. Nur so ist es ihnen möglich, Strategien zu entwickeln, auf den jeweiligen Patienten mit seinem Therapieprogramm, seinem Allgemeinzustand und seinen Bedürfnissen einzugehen. Die Therapie ist keineswegs nur ein kurzweiliger Zeitvertreib oder eine reine Belustigung. Vielmehr ist sie ein nicht pharmakologischer Ansatz in der Schmerztherapie.

Erfahrungen haben gezeigt, das Musiktherapie auch in Gruppensituationen sehr effektiv sein kann. Besonders für Patienten im Schulalter und für Jugendliche sind musikalische Veranstaltungen eine Möglichkeit, soziale Interaktionen zu generieren. Das Gefühl, nicht allein mit seiner Krankheit zu sein, und sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können, stellt einen weiteren Vorteil der Therapie dar. Gerade bei  sehr schwer zugänglichen Jugendlichen kann Musik, sei es ein Rap oder Hip Hop, Türen zu ihrer Seele und ihren Gefühlen öffnen. Manchmal können diese jungen Menschen Erlerntes mit nach Hause nehmen und ein neues Hobby als Kraftquelle fortführen.

In Deutschland gibt es staatlich anerkannte Studiengänge in Musiktherapie mit einem Bachelor- oder Masterabschluss. Es gibt jedoch auch verschiedene qualifizierte private Ausbildungsstätten.

Designed by Das Logo von Webadrett. | © 2016 www.drstauch.de

Einige Dienstleistungen können nur mit Hilfe von Cookies gewährleistet werden:
  • Google reCaptcha
  • Google Font
Mehr dazu, was Cookies sind und wie sie funktionieren erfahren Sie in der Datenschutzerklärung. Stimmen Sie der Nutzung der Cookies zu?