Immuntherapien bei Kopf-Halstumoren und Urothelkarzinomen

In diesem Beitrag möchten wir Ihnen die neuen und zukünftigen Therapien bei Kopf-Halstumoren und Urothelkarzinomen vorstellen.

Kopf und Halstumore

Unter Kopf- und Halstumoren versteht man alle Tumore, die am Hals und am Kopf auftreten: Im Rachen, der Mundhöhle, auf der Zunge oder auf den Lippen, in der Nase oder den Nebenhöhlen und auch der Schilddrüse, um nur wenige Beispiele zu nennen. Kopf- Halstumore sind unter den 5 häufigsten Krebserkrankungen weltweit.
Die Risikofaktoren sind unterschiedlich: Mundboden- und Kehlkopfkrebs stehen beispielsweise mit Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum in Verbindung. Es gibt ebenso Tumore, die durch eine Infektion mit Humanen Papillomaviren ausgelöst werden können.

Urothelkarzinome

Urothelkarzinome sind Tumore in den Harnwegen, wozu das Nierenbecken, der Harnleiter und die Harnblase gehören. Der größte Anteil der Karzinome bildet sich in der Harnblase.
Auch das Risiko für Urothelkarzinome steigt durch die Exposition mit bestimmten Verbindungen wie aromatischen Aminen an. Diese entstehen beim Rauchen oder sind Bestandteil von Haarfärbemitteln oder Dieselabgasen. Chronische Entzündungen in den Harnwegen erhöhen das Risiko ebenso.

Immuntherapien

Wir hatten hier im Blog schon über Immuntherapien geschrieben.

Ein Tumor wächst nicht nur: Er wächst mit Strategie, mit Einfluss auf die versorgenden Blutgefäße und mit Versteckspiel vor dem Immunsystem, indem er dessen Aktivität herunter reguliert. In diesem Fall haben die Zellen des Tumors bestimmte Proteine auf ihrer Zelloberfläche, wie zum Beispiel das PDL-1.
Normalerweise findet man dieses Protein auf speziellen Zellen des Immunsystems, die in der Lage sind, die Aktivität des Immunsystems zu regulieren. Dieses Protein besitzt ein Gegenstück, das wie ein Puzzlestück an andere (oder wie der Schlüssel ins Schloss) passt. Dieses Gegenstück sitzt auf speziellen T-Zellen, die in der Lage sind, Eindringline und auch Krebszellen zu bekämpfen. Jedoch tun sie das nicht, wenn diese zwei Proteine aneinander gelagert sind und so verhindern die Krebszellen ihre Zerstörung durch unser Immunsystem.
Sogenannte PD1- oder PDL1-Antikörper wie Pembrolizumab, Nivolumab oder Atezolizumab beenden diese Hemmung, indem sie die Bindungen zwischen den T-Zellen und den Krebszellen stören. Das Immunsystem kann nun gegen den Tumor tätig werden.
Das Medikament Atezolizumab löst zusätzlich eine weitere, ähnlich funktionierende Blockade des Immunsystems auf. Diese wird durch das Oberflächenprotein B7 vermittelt.

Studienergebnisse

Die neue Therapie der Kopf-Halskarzinome

Die Überlebensrate von Patienten mit Kopf- Halstumoren mit herkömmlichen Therapien (Cisplatin) liegt bei etwa 12 Monaten im Mittel, wenn es die erste Therapie ist. Bei bereits therapierten Patienten liegt die Überlebensrate bei etwa 6 Monaten.
In der Checkmate-141-Studie wurde Nivolumab bei Kopf-Halstumoren gegenüber der Standardchemotherapie (Methotrexat, Docetaxel beziehungsweise Cetuximab) untersucht. Nach 6 Monaten waren 20% mit Nivolumab im Vergleich zu 9% mit Chemotherapie ohne Zeichen des Fortschreitens der Erkrankung. Das gemittelte Überleben konnte um 2,5 Monate verlängert werden. Außerdem waren die höhergradigen Nebenwirkungen um 2/3 seltener bei den Patienten mit der Immuntherapie.  
Aufgrund dieser positiven Daten erfolgte im März diesen Jahres die Empfehlung durch den Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) zur Zulassung von Nivolumab als Monotherapie zur Behandlung des Plattenepithelkarzinoms des Kopf-Hals-Bereichs (SCCHN) bei Erwachsenen mit einer Progression während oder nach einer platinbasierten Therapie.

Immuntherapien bei Urothelkarzinomen

Die Behandlung von Blasenkarzinomen mit Atezolizumab (dem PDL1-Protein) wurde in der IMvigor 210 Studie untersucht. Daran nahmen Patienten mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Blasenkrebs, der auch während oder nach einer Therapie mit Cisplatin fortgeschritten war.
15% der Patienten sprachen objektiv auf die Therapie an. Von den Patienten, bei denen das PD-L1-Protein auf den Tumorzellen nachgewiesen wurde, lag die Ansprechrate bei 26%.
Bei 84% der Patienten hielt das Ansprechen über 12 Monate und länger an.
Weil die Studienergebnisse eine verbesserte Sicherheit und Wirksamkeit der Behandlung versprechen, hat die amerikanische Zulassungsstelle für Lebens- und Arzneimittel Atezolizumab in einem beschleunigten Verfahren zugelassen.
In der EU wurde die Zulassung für Atezolizumab zur Therapie von Blasenkrebs im Sommer 2016 beantragt und wird in naher Zukunft erwartet.

 


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